Zukunftsfähiges Wohnmodell im Domagk-Park, München

Zukunftsfähiges Wohnmodell im Domagk-Park, München

München benötigt dringend viel neuen Wohnraum. Ein Projekt im Münchner Norden beweist: Trotz der großen Knappheit bleibt Raum für Qualität zu bezahlbaren Preisen. Gebaut im Standard KfW 40 auf der Basis nachwachsender Rohstoffe entstanden 26 Wohnungen in einer rationellen Mischung aus Massivbau und Systembauweise, die – dank Trockenbau – viel Platz für individuelle Gestaltung ließ.

 

Aufgabe

Das Erscheinungsbild des Vier- und Fünfgeschossers im Münchner Domagkpark deutet auf Massivbauten hin. Doch die Fassaden mit ihrem feinen, elfenbeinfarbenen Oberputz bestehen aus Holztafeln. Ebenso die Staffelgeschosse, die komplett im Holzrahmenbau erstellt sind. Sie sind Teile des Konzeptes von agmm Architekten + Stadtplaner (München), möglichst Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu verbauen.

Das Ziel war es, die 26 Wohnungen im Geschosswohnungsbau mit Größen von 70 bis 140 Quadratmetern schnell und kostengünstig zu bauen. So entstand eine Mischbauweise, die die Vorzüge der Baustoffe Beton und Holz aufnimmt und die mit neuen Materialien für die Fassade sowie Gipsbaustoffen für alle nichttragenden und innenliegenden Wände komplettiert wird.

Die Basis der Häuser bildet Beton, als Keller, als Bodenplatte, Stützen auf Wohnebenen, Wohnungs- und Treppenhauswände sowie Decken. Für das Tempo auf der Baustelle sorgen geschosshohe, vorgefertigte Fassadenelemente einschließlich Fenstern. Sobald die Fassade geschlossen ist, kann der Trockenbauer mit Vorsatzschalen für Außenwände und raumbildenden Ausbau mit nichttragenden Wänden starten.

 

Lösung

Beide Häuser sind klassische Stahlbetonskelettbauten. Das Raster der 30x30 cm dicken Stützen liegt bei 6 m, in den Eckfeldern bei 8,5 m Spannweite. Da Bewegungen einkalkuliert werden müssen, sind die innenliegenden Vorsatzschalen mit gleitenden Deckenanschlüssen ausgeführt. Die Obergeschosse sind Staffelgeschosse, die als vorgefertigter Holzrahmenbau montiert werden. Der Holzbauspezialist Ambros aus Hopferau fertigt zudem die vorgehängte Fassade in raumabschließender Holzrahmenbauweise der Feuerwiderstandsklasse F 30 nach DIN 4102-2. Die geschosshohen Elemente sind 325 mm dick und von innen nach außen aufgebaut mit 15 mm OSB-Platte als Dampfbremse und Aussteifung, 260 mm Holzständer und Mineralwolle > 1000 o C sowie 50 mm Heraklith BM. Die biegefeste Holzwolleplatte ist im Holzrahmenbau ein idealer Putzträger.

Die Vollholzständer der Fassadenkonstruktion messen lediglich 60 x 240 mm, die gesamte Konstruktion ist extrem leicht und weist mit dem U-Wert von 0,123 W/m2 K einen hohen Wärmedämmwert aus. Die hohe Wärmedämmfähigkeit des Systems Tektalan ist ein wesentlicher Baustein des Konzeptes, um den hohen Standard des KfW Energieeffizienzhauses 40 zu erreichen. Für die Befestigung der Wandtafeln mit horizontal angeordneten Schwellhölzern haben die Tragwerksplaner und der Holzbauer eine ingenieurmäßige Lösung entwickelt, die eine Verformung ausschließt.

Freitragend davor gestellt sind innen eine Knauf Vorsatzschale W 623, die als Installationsebene der Elektroversorgung mit Stecker-, Schalter- und Verteiler-Dosen genutzt wird. Das Ständerwerk ist mit 40 mm Mineralwolle mit ECOSE Technology ausgefacht, der Deckenanschluss in den Endfeldern mit Knauf Plattenstreifen gleitend ausgeführt. Die Beplankung ist folglich mit einer Schattenfuge ausgebildet. Grundsätzlich wird die Vorsatzschale zweilagig beplankt. Die Konstruktion leistet F 30. Mit nur 405 mm Gesamtdicke der Außenwand entsteht eine sehr schlanke Scheibe mit hoher Wärmedämmung.

Die Entscheidung, den Ausbau per Trockenbauweise zu gestalten, lässt vielfältige Wohnungszuschnitte und Wohnungsgrößen zu. Das Angebot richtet sich vor allem an Familien mit Kindern. So laufen zum Beispiel Schiebetüren zwischen Knauf Wänden. Es gibt reizvolle Nischen, abgehängte Deckenebenen mit indirekter Beleuchtung oder Oberlichter. Keine Kompromisse ließen die Architekten bei der Qualität der Innenwände zu. Die Vorsatzschale mit 75-er UW- und CW-Profilen ist zweilagig mit 12,5 mm Knauf Platten beplankt. Die Innenwände Knauf W 112 wurden sind ebenfalls zweilagig beplankt. Als Fliesenträger in den Bädern bewährt sich eine einlagige Beplankung mit der 25 mm dicken Massivbauplatte. Alle Schächte sind mit Knauf Diamant bekleidet. Mit dem Mix aus Biegeweichheit und Masse verbesserte sich der Schallschutz bei Fließgeräuschen.

In 50 Tagen war der raumbildende Ausbau bewältigt. Dem Team der H.G. Meyer GbR attestierten die Architekten eine gute Arbeit. Schattenfugen, die Verspachtelung in Qualität Q 3 und die Anschlüsse sind perfekt ausgebildet. Insgesamt waren sieben verschiedene Wandaufbauten zu montieren – von einer einfachen W 112 bis zur komplexen Installationswand.

 

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Bauherr Baugemeinschaft „gemeinsam größer GbR “, München
Architekt agmm Architekten + Stadtplaner, München
Verarbeiter Holzbau: Anton Ambros GmbH, Hopferau; Trockenbau: HG Meyer GbR, Schönthal
Baujahr 2016
Fotograf Bernd Ducke
Produkte Holztafelbau, Diamant, Massivbauplatte, Tektalan