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Im Gespräch: Markus Elsperger

Erstellt von Knauf Insulation am 12. August 2022

Markus Elsperger dirigiert das Project Management Office und das strategische Marketing bei Knauf Insulation.

Als Mitglied der Geschäftsleitung setzt Markus Elsperger (44) Leitlinien für bereichsübergreifende Projekte, unterstützt die verschiedenen Projektleiter und verantwortet das strategische Marketing des Unternehmens. Daher ist er nicht nur bestens mit allen internen Prozessen und Planungen bei Knauf Insulation vertraut. Er hält auch stets den Markt, politische Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Entwicklungen und Trendthemen im Blick, die Auswirkungen auf die Strategie und Marktbearbeitung des Unternehmens haben können. Sein Erfahrungsschatz aus verschiedenen Positionen in der Bau- und Werkzeugbranche ist heute das Fundament seiner strategischen Überlegungen, Planungen und Entscheidungen. Mit ihm sprachen wir über die Auswirkungen steigender Energiepreise, die Bedeutung von Energieeffizienz und den möglichen Chancen, die sich daraus für die Baubranche ergeben.

 

Herr Elsperger, viele Menschen schienen überrascht zu sein, wie abhängig wir von günstiger und stets verfügbarer Energie sind. Wie haben Sie die Situation wahrgenommen und was ist Ihre Empfehlung gegen steigende Energiepreise?

Ich denke, dass den meisten Menschen bewusst war, dass wir in Deutschland von Energielieferungen abhängig sind. Wie schnell es gehen kann, dass unsere Abhängigkeit zu ernsthaften Problemen führt, war dennoch sicher überraschend. Plötzlich sehen wir, dass die Energieeffizienz ein entscheidender Faktor für Wohlstand und Sicherheit sein kann. Sie ist außerdem das beste Mittel gegen steigende Energiepreise. Doch es ist allerhöchste Zeit, zu handeln. Vor allem im Gebäudebestand muss angepackt werden, um den Energiebedarf drastisch zu senken. Das kann nur mit einem abgestimmten Zusammenspiel zwischen Dämmung, effektiver Heizungstechnik und erneuerbarer Energie gelingen. 

 

Wie sieht dieses Zusammenspiel aus?

Eine Heizung kann bestmöglich dimensioniert werden und effizient arbeiten, wenn die Gebäudehülle Heizenergieverluste effektiv verhindert. Auch Klimaanlagen haben im Sommer weniger zu tun, wenn sich Innenräume gar nicht erst aufheizen. Dafür müssen im ersten Schritt vor allem Dächer, Außenwände und Kellerdecken zeitgemäße Wärmeschutzstandards erfüllen. Die beste Energie ist schließlich die, die nicht verbraucht wird. Im zweiten Schritt muss dann die Beheizung und Kühlung effizient umgesetzt werden – mit einem möglichst hohen Anteil regenerativer Energien. Das ist der kürzeste Weg in die Unabhängigkeit von Energieträgern, für CO2-Vermeidung und letztendlich für Umwelt- und Klimaschutz.

Plötzlich sehen wir, dass die Energieeffizienz ein entscheidender Faktor für Wohlstand und Sicherheit sein kann.
Markus Elsperger

Können Sie uns kurz schildern, was aktuell am Energiemarkt geschieht und wie die Situation ein Unternehmen wie Knauf Insulation trifft?

Steigende Energiekosten treffen uns alle – ausnahmslos. Verbraucher spüren sie bei den Energiekostenabrechnungen und an der Zapfsäule. Bei uns wirken sie sich vor allem auf die Herstellkosten unserer Produkte aus. Das weiß auch die Politik. Daher findet gerade ein massiver Wandel statt. Die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien ist wieder in aller Munde. Dazu kommt eine Verlagerung von Abhängigkeiten bei Bestellungen von Öl und Gas. Außerdem ist das Energiesparen im engen Fokus, was sich voraussichtlich in naher Zukunft durch die Verschärfung von Standards für sehr ineffiziente Bestandsgebäude auswirken wird.

 

Sie haben es selbst erwähnt: Die Energiepreise sind ein erheblicher Treiber der Verbraucherpreise sowie Ihrer Verkaufspreise geworden. Aber auch Rohstoffe sind seit längerer Zeit knapp und teuer. Auf welche Rohstoffe ist Knauf Insulation für die Produktion von Dämmstoffen angewiesen?

Den größten Einfluss haben für uns aktuell tatsächlich die Energieträger Gas und Koks. Für die Herstellung unserer Mineralwolle wird eine Schmelze aus Gestein oder Altglas und Sand erzeugt. Dieser Prozess benötigt viel Energie. Da unsere Produkte diese Energie schnell wieder einsparen, sobald sie verbaut sind, ist die Energiebilanz von Mineralwolle-Dämmstoffen rasch wieder positiv. Doch die Energiekosten, die entstehen, lassen sich nicht kurzfristig reduzieren oder auffangen. Von vielen anderen Rohstoffen sind wir zum Glück bei der Herstellung unserer Kernprodukte vergleichsweise unabhängig. Wir setzen auf Materialien, die in der Natur entweder beinahe unerschöpflich vorkommen, schnell nachwachsen oder recycelt wurden – zum Beispiel das erwähnte Gestein, Altglas oder auch PEFC zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

 

Gibt es für Knauf Insulation Möglichkeiten, sich unabhängiger von Energie und Rohstoffen zu machen? Was unternehmen Sie vielleicht sogar bereits?

In unserem Unternehmen gibt es im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie zahlreiche Projekte und Initiativen, die unsere Produktion schrittweise noch energieeffizienter und nachhaltiger machen – zum Beispiel durch die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft mit hohen Recyclinganteilen in unseren Produkten oder durch den forcierten Einsatz erneuerbarer Energien. Es mag vielleicht abgedroschen klingen, aber als Dämmstoffhersteller sind Energieeffizienz und das Vermeiden von „Verschwendung“ Teil unserer DNA. Die kontinuierliche Verbesserung unserer Arbeitsweise und Prozesse ist mittlerweile fest in unserer Unternehmenskultur verankert und wir können jedes Jahr neue Erfolge feiern.

 

Werden die gestiegenen Kosten für Baustoffe und damit auch für Bau- und Modernisierungsprojekte im Ganzen nicht auf absehbare Zeit zum Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Branche?

Ein echtes Risiko sehe ich aktuell nicht. Die steigenden Baukosten werden sich meiner Ansicht nach vor allem kurzzeitig auf die Investitionsfreude auswirken, was wiederum positive Effekte auf Verfügbarkeiten und Lieferzeiten von Baustoffen haben kann. Sofern sich die Energieversorgung nicht dramatisch verschlechtert, ist jedoch eine substanzielle und langfristige Abschwächung der Leistung der Baubranche nicht zu erwarten. Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen gut. Wohnraum ist immer noch knapp und die Bedeutung des energieeffizienten und nachhaltigen Baus gesamtgesellschaftlich groß. Die Energiewende ist von einer leistungsfähigen Baubranche abhängig, wodurch sich enorme Chancen ergeben.

Handwerker haben die Möglichkeit, sich als „aktive Umsetzer“ der Energiewende zu positionieren und über eine intensivere Beratung Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen.
Markus Elsperger

Welche Chancen meinen Sie?

Zum Beispiel kann sich für Fachunternehmer zukünftig ein genauerer Blick über den Tellerrand lohnen. Anstatt Einzelmaßnahmen zu verkaufen, können Gesamtpakete für die energetische Modernisierung angeboten und umgesetzt werden. Handwerker haben die Möglichkeit, sich als „aktive Umsetzer“ der Energiewende zu positionieren und über eine intensivere Beratung Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen. Letztendlich sind Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit heute starke Verkaufsargumente.

 

Was müssen Fachunternehmen mitbringen, um diese Chancen nutzen zu können?

Vor allem Beratungskompetenz in den drängendsten Fragen der Nachhaltigkeit und ganzheitlichen Energieeffizienz von Gebäuden werden von Bedeutung sein. Dazu gehört interdisziplinäres Wissen bis hin zu Elektromobilität und Lademöglichkeiten für zu Hause. Die Investition in die Aus- und Fortbildung wird sich also ebenso lohnen wie die Knüpfung von Netzwerken mit anderen Gewerken. Zudem wird das noch stärkere Zusammenrücken von Handwerk, Handel und Industrie, zum Beispiel für einen effektiven Wissenstransfer, nötig sein, um die Generationenaufgabe Energiewende zu bewerkstelligen.

 

Das Handwerk gestaltet und realisiert die Energiewende. Darauf kann man stolz sein.
Markus Elsperger

Womit wir beim nächsten „knappen Gut“ wären: Qualifizierte Fachkräfte sind in der Branche gefragt, doch Unternehmen haben immer größere Schwierigkeiten, gute Leute zu finden.

Das Thema beschäftigt auch unser Unternehmen sehr. Aus meiner Sicht müssen wir als Branche hier ebenfalls Hand in Hand arbeiten, um den Handwerksberuf attraktiv für junge Menschen zu machen. Frauen müssen weiter für Handwerksberufe begeistert werden. Als Industrieunternehmen unterstützen wir durch Kommunikation, die Digitalisierung und Vereinfachung von Prozessen und anwendungsfreundliche Produkte. Wir alle können darüber hinaus am Rollenverständnis des Handwerks arbeiten. Wie gesagt: Das Handwerk gestaltet und realisiert die Energiewende. Darauf kann man stolz sein.

 

Handwerk hat also auch in einer vermeintlich durchdigitalisierten Dienstleistungsgesellschaft der Zukunft goldenen Boden?

Davon bin ich überzeugt!

 

Vielen Dank!

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