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Rico Neumann im Gespräch

Erstellt von Knauf Insulation am 09. Februar 2021

Im Mai 2020 wurde Rico Neumann zum Direktor Hochbau und Marketing Deutschland innerhalb der Geschäftsleitung der Knauf Insulation GmbH berufen. Zuvor führte er fünf Jahre lang erfolgreich die Geschäfte der climowool GmbH – einem Tochterunternehmen der Knauf Gruppe.

In seiner neuen Funktion zeichnet der 47-Jährige für die Vertriebsorganisation Hochbau, das Fertighaus-Key-Account-Management sowie das Holzwolle-Objektmanagement von Knauf Insulation in Deutschland verantwortlich. Außerdem laufen bei ihm sämtliche Marketing- und Produktmanagementaktivitäten für diese Bereiche zusammen. Drei wichtige Felder, die die Art der Marktbearbeitung des Unternehmens entscheidend prägen. Das klingt nach viel Verantwortung – und nach viel Arbeit. In unserem Gespräch hat uns Rico Neumann unter anderem erklärt, wie er diese Herausforderung angeht und was Kunden und Partner von ihm erwarten können.

 

 

Herr Neumann, ein turbulentes Jahr ist zu Ende gegangen. Was ist Ihr persönliches Fazit für das außergewöhnliche Jahr 2020?

Ich denke, mein persönliches Fazit deckt sich in vielen Teilen mit dem der meisten Menschen in unserem Land. Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist. Dinge, die völlig normal und alltäglich waren, zum Beispiel der Kontakt zur Familie und zu Freunden, haben eine neue Bedeutung – sogar eine höhere Wertigkeit bekommen. In meinem Resümee für das Jahr kann ich zudem eine wichtige und sehr erfreuliche berufliche Veränderung festhalten.

 

Sie haben mitten in der Corona-Pandemie die Verantwortung für den Vertrieb Hochbau, das Produktmanagement und das Marketing übernommen. Was waren Ihre größten Herausforderungen in dieser Zeit?

Dass die Branche zu Beginn der Pandemie und zum Start meiner neuen Aufgabe sehr verunsichert war, ist schon eine Herausforderung gewesen. Noch einschneidender war für mich jedoch, auf persönliche Kontakte verzichten zu müssen. Stellen Sie sich vor, Sie übernehmen einen neuen Job, werden einer der wichtigsten Ansprechpartner für Ihre Kunden und sollen ein großes, interdisziplinäres Team führen, das maßgeblich für die Leistung Ihres Unternehmens am Markt verantwortlich ist. Und dann können Sie beim Start Ihrer neuen Aufgabe niemanden treffen, keine Hand schütteln und keinem persönlich in die Augen schauen. Ich bin froh, dass ich in dieser Phase auf meine hochprofessionelle und engagierte Mannschaft zählen konnte, die mir den Einstieg trotz aller Widrigkeiten erleichtert hat.

 

Sie verantworten die Aktivitäten dreier wichtiger Unternehmensbereiche. Was ist Ihrer Ansicht nach die größte stärke dieses Modells?

Die fortschreitende Digitalisierung führt dazu, dass Kunden bereits frühzeitig an vielen Kontaktpunkten direkt mit uns interagieren. Diese veränderte, sogenannte „Customer Journey“ (Kundenreise) verlangt von uns, einen besseren Austausch und Wissenstransfer bei allen Aktivitäten sicherzustellen, die den Kontakt zum Kunden und die Erfüllung seiner Anforderungen zum Ziel haben. Ein weiterer Punkt ist: Hersteller, egal welcher Branche, sollten nicht erwarten, dass sich Kunden Lösungen für ihre Probleme selbst zusammensuchen. Wir haben vielmehr den Anspruch, gemeinsam mit unseren Kunden Aufgaben zu meistern. Hierfür ist eine qualifizierte und praxisorientierte Beratung des Vertriebs nötig. Das Produktmanagement ist gefragt, Produkte und Systeme zu entwickeln, die die Arbeit unserer Kunden vereinfachen und profitabler machen. Und nicht zuletzt müssen die Vorteile und Mehrwerte unserer Produkte durch das Marketing so transportiert werden, dass sie von unseren Kunden erkannt und verstanden werden. All das können wir nur durch die enge Verbindung und aktiven Wissensaustausch der drei Bereiche schaffen – davon bin ich überzeugt.

 

Sicher ist diese Dreifach-Verantwortung nicht nur spannend, sondern auch sehr herausfordernd. Was ist Ihr Ansatz oder Ihre Philosophie für diese Aufgabe?

Ich versuche nicht, die Aufgaben und Herausforderungen ganz alleine zu bewältigen. Schließlich habe ich ein tolles Team mit vielen Experten in ihren jeweiligen Themengebieten. Wenn wir dieses Potenzial möglichst effektiv und gewinnbringend einsetzen, können wir gemeinsam einiges bewegen.

 

Wird sich der Knauf Insulation Vertrieb verändern? Was erwartet die Kunden von Knauf Insulation?

Nein, es wird sich nichts grundlegend ändern. Wir werden weiterhin nah bei unseren Kunden sein und ihnen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben zur Seite stehen. Wenn es aktuell nicht mit persönlichem Kontakt möglich ist, werden wir alles dafür tun, Verbindungen auf anderen Wegen herzustellen. Wir werden auch nach wie vor an unserem klaren Bekenntnis zum Fachhandel festhalten. Wir sind davon überzeugt, dass die Marktbearbeitung gemeinsam mit starken Partnern in den Regionen für uns der richtige Weg ist und bleiben wird. Mir persönlich liegt eine noch fokussiertere Lösungsorientierung und Beratung am Herzen. Daher werden wir den Fokus darauf legen, den Service für unsere Kunden weiter zu verbessern und beispielsweise unsere Partner im Handel noch effektiver bei der Ansprache ihrer Kunden und beim Verkauf unserer Produkte zu unterstützen.

 

Sie haben mehr als 25 Jahre Handel und Industrie erlebt und gelten als ausgewiesener Experte der Baustoffbranche. Wagen Sie eine Prognose für die Entwicklung des Marktes im Jahr 2021?

Wie schon gesagt: Wir wissen mittlerweile, dass vermeintlich Alltägliches von jetzt auf gleich zu etwas Besonderem werden kann. Daher möchte ich mich nicht allzu weit mit einer Prognose aus dem Fenster lehnen. Ich möchte es so formulieren: Ich persönlich bin zuversichtlich, jedoch nicht euphorisch. Wir haben gesehen, dass die Baubranche robust ist und im Jahr 2020 erstaunlich gut durch die Krise gekommen ist. Es gibt zahlreiche Gründe, die dafür sprechen, dass auch im Jahr 2021 Wachstum möglich ist. Dieses Wachstum wird nicht enorm sein, aber dennoch signifikant über der schwarzen Null liegen.

 

Abseits der Marktchancen und Umsatzentwicklungen: Was werden aus Ihrer Sicht die Top-Themen der Baubranche 2021 sein?

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass die Digitalisierung als Dauerbrenner unter den Trendthemen der Baubranche nach wie vor höchste Relevanz hat – auch für uns bei Knauf Insulation. Insgesamt hat sich in der Branche in der Vergangenheit viel getan. Es gibt jedoch noch viele Hausaufgaben, die erledigt werden müssen, um das Potenzial der digitalen Vernetzung vollumfänglich ausschöpfen zu können. Darüber hinaus werden die Gebäudemodernisierung und die Nachhaltigkeit wichtige Themen des Jahres sein – nicht zuletzt auch aufgrund politischer Initiativen und Maßnahmen wie der steuerlichen Förderung von energetischen Modernisierungen. In diesem Zusammenhang werden wir auch vermehrt mit den Stichworten „gesundheitliche Unbedenklichkeit“ und „Recycling“ konfrontiert werden – zwei Kernbereiche unserer Bemühungen.

 

Welche Rolle wird Knauf Insulation im Markt einnehmen? Welche Highlights stehen bei Knauf Insulation auf dem Programm? Dürfen Sie schon etwas verraten?

Hier möchte ich RESULATION herausheben, unseren neuen Recycling-Ansatz, der Dämmstoffreste einem nachhaltigen Recycling- und Verwertungsprozess zuführt. Für unsere Kunden bedeutet RESULATION neben dem ökologischen Aspekt vor allem einfache Prozesse, weniger Aufwand und planbare, reduzierte Kosten im Vergleich zur lokalen Entsorgung. Ein weiteres Thema ist unsere neue Nachhaltigkeitsstrategie „For A Better World“, im Rahmen derer wir uns selbst konkrete Nachhaltigkeitsziele gesetzt haben. Wir haben bereits begonnen, eine Reihe von konkreten, mittelfristigen Zielen bis 2025 umzusetzen. Zum Beispiel werden wir das in unseren Produkten enthaltene CO2 um 15 % reduzieren und 10 % unserer Investitionsausgaben in Projekte fließen lassen, die den CO2-Ausstoß und Abfälle reduzieren. 

 

 

Wie sie selbst sagen, steht das Thema Recycling weit oben auf der Agenda des Unternehmens. Was macht Knauf Insulation beim Dämmstoffrecycling anders oder sogar besser als andere?

RESULATION ist ein Sammelsystem auf Basis von Big Bags für sortenreinen und sauberen Dämmstoff-Verschnitt. Zugegeben, das ist nicht neu. Jedoch können wir aufgrund der Bandbreite unseres Portfolios unseren Kunden eine Lösung für drei Dämmtechnologien bieten – Glaswolle, Steinwolle und bald auch Holzwolle bzw. Holzwolle-Mehrschichtplatten. In Objekten kommen meist mehrere Dämmstoffsorten zum Einsatz. Mit unserem System muss sich der verarbeitende Betrieb nun nicht mehr um verschiedene Entsorgungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Dämmstoffe kümmern.

 

 

Viele Leser dieses Interviews sind im Handel tätig. Viele Entscheider kennen Sie persönlich. Für die, die sie noch nicht kennengelernt haben: Worauf kann sich der Handel bei Rico Neumann einstellen?

Vor allem auf ein großes Interesse an einem partnerschaftlichen Miteinander. Ich kenne beide Seiten aus eigener Berufserfahrung – die des Handels und die des Herstellers. Ich weiß, dass jede Seite ihre Interessen hat und gerne ein großes Stück des Kuchens abhaben möchte. (schmunzelt) Die Erfahrung hat mich aber gelehrt, dass man sich nicht um den Kuchen prügeln muss. Wenn man vernünftig miteinander umgeht, dann werden beide satt.

 

Vielen Dank, Herr Neumann.